Ratgeber · Coaches, Berater und Trainer · Stand 26.10.2026
GmbH gründen als Coach: Ab welchem Gewinn sich die Rechtsform rechnet
Eine feste Gewinngrenze für die GmbH gibt es nicht. Ein Rechenbeispiel mit Zahlen für 2026 zeigt: Bleibt ein Teil des Gewinns in der GmbH, kann die Steuerlast im Beispiel ab etwa 80.000 bis 100.000 Euro Gewinn spürbar sinken. Wird alles ausgeschüttet, ist sie häufig höher als im Einzelunternehmen. Dazu kommen laufende Mehrkosten für Bilanz und Verwaltung.
Hauptratgeber zum Thema Coaches, Berater und Trainer: Steuerberater für Coaches, Berater und Trainer: Leistungen, Kosten und Auswahl
| Körperschaftsteuer 2026 | 15 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf |
|---|---|
| Gewerbesteuer der GmbH | 3,5 Prozent Messzahl mal Hebesatz, kein Freibetrag |
| Stammkapital GmbH | 25.000 Euro, bei der Anmeldung mindestens 12.500 Euro eingezahlt |
| Unternehmergesellschaft | ab 1 Euro, 25 Prozent des Überschusses in die Rücklage |
| Ausschüttung an Privatperson | 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag |
Frist-Leiste
Die nächsten vier Termine
- Gewerbesteuer, GrundsteuerVorauszahlung und Rate
- Freiwillige Erklärung 2022Antragsveranlagung
- Erklärung 2025 mit Berater28. Februar ist ein Sonntag
- Erklärung 2026 ohne Berater31. Juli ist ein Samstag
Stand: 25. Oktober 2026. Weitere Termine im Fristenkalender, die eigene Frist im Abgabefrist-Rechner.
Ab wann lohnt sich eine GmbH für Solo-Coaches?
Die Antwort hängt von drei Größen ab: dem Gewinn, dem Anteil, den Sie privat entnehmen, und den laufenden Mehrkosten. Beim Einzelunternehmen versteuern Sie den gesamten Gewinn mit dem Einkommensteuertarif, unabhängig davon, ob Sie ihn entnehmen. Bei der GmbH besteuert die Gesellschaft ihren Gewinn mit Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. Ihr Gehalt als Geschäftsführer versteuern Sie privat, der Rest bleibt in der GmbH, solange Sie ihn nicht ausschütten.
Daraus folgt ein einfacher Grundsatz: Die GmbH hilft vor allem, wenn Gewinne im Unternehmen verbleiben, etwa für Rücklagen, Investitionen oder als Altersvorsorge-Polster. Brauchen Sie ohnehin den gesamten Gewinn privat, ist der Vorteil gering oder negativ. Eine pauschale Schwelle in Euro wäre daher irreführend. Das folgende Rechenbeispiel zeigt die Größenordnungen.
Rechenbeispiel: Einzelunternehmen und GmbH im Vergleich
Beispiel (frei gewählte Zahlen, vereinfacht, keine Steuerberatung): Eine freiberufliche Coachin erzielt vor Gehalt einen Gewinn von 60.000, 80.000, 100.000 oder 150.000 Euro. Als Einzelunternehmerin zahlt sie Einkommensteuer, aber keine Gewerbesteuer. Als GmbH-Geschäftsführerin zahlt sie sich 48.000 Euro Gehalt im Jahr.
Annahmen: Alleinstehend, keine Kirchensteuer, kein Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer, 10.000 Euro abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen in beiden Fällen, Hebesatz 400 Prozent, Einkommensteuertarif 2026 nach § 32a EStG. Das Gehalt ist angemessen, und es entstehen keine Sozialversicherungsbeiträge. Laufende Mehrkosten der GmbH sind nicht abgezogen. Ein Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer, der bei höheren Einkommen anfällt, würde die Belastung im Einzelunternehmen zusätzlich erhöhen.
| Gewinn vor Gehalt | Einzelunternehmen: Einkommensteuer | GmbH-Weg, Rest bleibt in der GmbH: Steuern gesamt | Unterschied | GmbH-Weg, alles ausgeschüttet: Steuern gesamt |
|---|---|---|---|---|
| 60.000 Euro | 10.548 Euro | 10.162 Euro | 386 Euro weniger | 12.383 Euro |
| 80.000 Euro | 18.264 Euro | 16.127 Euro | 2.137 Euro weniger | 22.050 Euro |
| 100.000 Euro | 26.664 Euro | 22.092 Euro | 4.572 Euro weniger | 31.717 Euro |
| 150.000 Euro | 47.664 Euro | 37.005 Euro | 10.660 Euro weniger | 55.883 Euro |
Die Spalte „Steuern gesamt“ enthält bei der GmbH die Körperschaftsteuer, den Solidaritätszuschlag darauf, die Gewerbesteuer und die Einkommensteuer auf das Gehalt, bei Vollausschüttung zusätzlich 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag auf die Dividende. Bei 100.000 Euro Gewinn bleiben in der GmbH nach Steuern 36.491 Euro stehen. Würden sie ausgeschüttet, läge die Gesamtbelastung mit 31.717 Euro um 5.053 Euro über dem Einzelunternehmen.
Der Vorteil der GmbH bei Thesaurierung muss gegen die Mehrkosten gerechnet werden. Bei einem Gegenstandswert von 100.000 Euro kostet der Jahresabschluss nach StBVV 369 bis 1.476 Euro netto, die Körperschaftsteuererklärung bei Mindestwert 141 bis 564 Euro und die Gewerbesteuererklärung 51,40 bis 308,40 Euro. Hinzu kommen Gründungskosten, Offenlegung des Jahresabschlusses und gegebenenfalls Lohnabrechnung. Bei 60.000 Euro Gewinn ist der Steuervorteil von 386 Euro kleiner als diese Kosten.
Wie die GmbH besteuert wird
Die GmbH ist eine eigene Steuerpflichtige. Ihr Gewinn unterliegt der Körperschaftsteuer, die bis zum Veranlagungszeitraum 2027 15 Prozent beträgt und danach schrittweise auf 14 Prozent (2028) bis 10 Prozent ab 2032 sinkt (§ 23 KStG). Dazu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer. Die Gewerbesteuer fällt immer an, ohne Freibetrag. Sie beträgt 3,5 Prozent des Gewerbeertrags mal Hebesatz der Gemeinde (§ 11 GewStG). Die Gewerbesteuer ist keine abziehbare Betriebsausgabe.
Entnehmen Sie Gewinn als Dividende, zahlen Sie 25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag (§ 32d EStG). Als Alternative kommt unter engen Voraussetzungen das Teileinkünfteverfahren in Betracht. Das Gehalt gilt als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Es muss angemessen sein. Ist es zu hoch, kann das Finanzamt den überhöhten Teil als verdeckte Gewinnausschüttung behandeln (§ 8 Abs. 3 KStG). Ausführlich beschreibt der Ratgeber zu den GmbH-Steuern die einzelnen Schritte.
Haftung, Pflichten und laufende Kosten im Vergleich
Die GmbH haftet mit ihrem Gesellschaftsvermögen, Gesellschafter haften grundsätzlich nicht persönlich (§ 13 Abs. 2 GmbHG). Das ist für Coaches mit Verträgen, Mietverpflichtungen oder Mitarbeitenden ein Argument. Geschäftsführer haften jedoch persönlich, wenn sie ihre Pflichten verletzen (§ 43 GmbHG). Das Stammkapital beträgt mindestens 25.000 Euro. Zur Anmeldung muss auf jeden Geschäftsanteil mindestens ein Viertel eingezahlt sein, insgesamt mindestens 12.500 Euro (§§ 5, 7 GmbHG). Die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) kommt mit 1 Euro aus, muss aber jährlich 25 Prozent des Jahresüberschusses in eine Rücklage einstellen (§ 5a GmbHG).
| Merkmal | Einzelunternehmen | GmbH |
|---|---|---|
| Haftung | persönlich und unbeschränkt | auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt |
| Gründung | Anzeige beim Finanzamt, gegebenenfalls Gewerbeanmeldung | notarieller Vertrag, Handelsregister, Stammkapital |
| Rechnungslegung | meist Einnahmenüberschussrechnung | Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, Offenlegung |
| Zugriff auf den Gewinn | frei, aber voll versteuert | nur als Gehalt, Dividende oder Darlehen, sauber dokumentiert |
| Steuerlast bei Gewinn im Unternehmen | Einkommensteuer auf den ganzen Gewinn | zunächst Unternehmensteuern von rund 30 Prozent |
| Sozialversicherung | Rentenpflicht für Lehrer und Erzieher möglich | für Gesellschafter-Geschäftsführer Einzelfallprüfung |
Die Sozialversicherung des Gesellschafter-Geschäftsführers hängt von Beteiligung und Weisungsgebundenheit ab. Die Deutsche Rentenversicherung entscheidet im Statusverfahren. Das ist eine Frage, die Steuerberater häufig mit einem Fachanwalt oder der Rentenversicherung klären.
Ablauf einer Gründung: Checkliste
- Rechenmodell mit eigenen Zahlen erstellen lassen: Gewinn, geplante Entnahmen, Rücklagen.
- Rechtsform wählen: GmbH oder Unternehmergesellschaft.
- Gesellschaftsvertrag entwerfen und beim Notar beurkunden lassen (§ 2 GmbHG).
- Geschäftsführeranstellungsvertrag mit angemessenem Gehalt aufsetzen.
- Stammkapital einzahlen und Geschäftskonto eröffnen.
- Anmeldung zum Handelsregister, danach Gewerbeanmeldung und Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.
- Verträge, Konten und Rechnungen auf die GmbH umstellen und private von betrieblichen Ausgaben trennen.
Häufige Fehler bei der GmbH-Gründung
- Zu früh gründen: Bei geringem Gewinn und voller privater Entnahme übersteigen Mehrkosten den Vorteil.
- Gehalt ohne Maß: Ein unangemessen hohes Gehalt kann als verdeckte Gewinnausschüttung gelten.
- Private Ausgaben über die GmbH: Sie erhöhen das Einkommen der GmbH und lösen Kapitalertragsteuer aus.
- Verträge nicht umstellen: Rechnet die Gründerin weiter privat ab, verfehlt die GmbH ihren Zweck.
- Verbindlichkeiten unterschätzen: Die Haftungsbeschränkung ersetzt keine Versicherung, und Geschäftsführer haften persönlich bei Pflichtverletzungen.
- Nur auf den Steuersatz schauen: Die zweite Besteuerung bei Ausschüttung gehört in die Rechnung.
Woran erkennen Coaches einen Steuerberater für die Rechtsformwahl?
Bei der Rechtsform geht es um eine Entscheidung mit langer Wirkung. Ein passender Berater rechnet mit Ihren Zahlen, nennt Annahmen offen und rät nicht ungefragt zur Gründung. Die Bestellung prüfen Sie im amtlichen Steuerberaterverzeichnis der Bundessteuerberaterkammer.
Kriterien
- Rechenmodell über mehrere Jahre mit Gehalt, Thesaurierung und Ausschüttung.
- Offene Darstellung der Mehrkosten und der Risiken.
- Erfahrung mit Gesellschafter-Geschäftsführern und verdeckter Gewinnausschüttung.
- Zusammenarbeit mit Notar und Rechtsanwalt bei Vertragsfragen.
Fragen für das Erstgespräch
- Welche Annahmen liegen Ihrer Rechnung zugrunde?
- Was kostet die GmbH jährlich an Beratung und Abschluss?
- Wie hoch dürfte mein Geschäftsführergehalt sein?
- Was passiert, wenn mein Gewinn sinkt?
Typische Honorarbasis
Die Rechtsformberatung ist ein Rat nach § 21 StBVV (1/10 bis 10/10 der Tabelle A) oder wird per Vergütungsvereinbarung nach Zeit abgerechnet. Wo die Verordnung die Zeitgebühr vorsieht, entsprechen zwei Stunden acht Viertelstunden und damit 132 bis 328 Euro netto (16,50 bis 41 Euro je angefangene Viertelstunde nach § 13 StBVV). Für laufende Leistungen gelten Rahmen: Jahresabschluss 10/10 bis 40/10 der Tabelle B (§ 35 StBVV), Körperschaftsteuererklärung 2/10 bis 8/10 der Tabelle A, Gewerbesteuererklärung 1/10 bis 6/10. Notar- und Registerkosten fallen außerhalb der Steuerberatung an.
Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Steuerberatung im Einzelfall. Die geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen ist nach dem Steuerberatungsgesetz (StBerG) Steuerberatern und weiteren zugelassenen Stellen vorbehalten.
Häufige Fragen
Ab welchem Gewinn lohnt sich eine GmbH für Selbstständige?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Im Rechenbeispiel mit Zahlen für 2026 sinkt die Steuer bei Thesaurierung ab etwa 80.000 bis 100.000 Euro Gewinn spürbar, bei Vollausschüttung steigt sie dagegen.
Wie hoch ist die Steuer bei einer GmbH?
Körperschaftsteuer 15 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag darauf, dazu Gewerbesteuer mit 3,5 Prozent Messzahl mal Hebesatz. Bei Ausschüttung kommen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag hinzu.
Wie viel Kapital brauche ich für eine GmbH?
Das Stammkapital beträgt mindestens 25.000 Euro, bei der Anmeldung müssen davon mindestens 12.500 Euro eingezahlt sein. Die Unternehmergesellschaft kann mit 1 Euro gegründet werden.
Haftet ein Coach mit seiner GmbH persönlich?
Die Gesellschafter haften grundsätzlich nicht persönlich für Verbindlichkeiten der GmbH. Geschäftsführer haften jedoch bei Pflichtverletzungen, und für nicht abgeführte Steuern kann bei vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzungen eine persönliche Haftung nach § 69 AO hinzukommen.
Kann ich mir als Geschäftsführer ein beliebiges Gehalt zahlen?
Nein. Das Gehalt muss angemessen sein. Überhöhte Anteile kann das Finanzamt als verdeckte Gewinnausschüttung behandeln.
Was kostet die laufende Betreuung einer GmbH?
Bei einem Gegenstandswert von 100.000 Euro kostet der Jahresabschluss nach StBVV 369 bis 1.476 Euro netto, hinzu kommen Steuererklärungen, Buchführung, Offenlegung und gegebenenfalls Lohnabrechnung.
Quellen
- § 23 KStG, Steuersatz
- § 8 KStG, Einkommen
- § 4 SolZG, Zuschlagsatz
- § 11 GewStG, Steuermessbetrag
- § 32a EStG, Einkommensteuertarif ab 2026
- § 32d EStG, Abgeltungsteuer
- § 2 GmbHG, Form des Gesellschaftsvertrags
- § 5 GmbHG, Stammkapital
- § 5a GmbHG, Unternehmergesellschaft
- § 7 GmbHG, Anmeldung
- § 13 GmbHG, Juristische Person, Handelsgesellschaft
- § 43 GmbHG, Haftung der Geschäftsführer
- StBVV § 13 Zeitgebühr
- StBVV § 24 Steuererklärungen
- StBVV § 35 Abschlussarbeiten
- StBVV Anlage 2 Tabelle B
- Amtliches Steuerberaterverzeichnis der Bundessteuerberaterkammer
- § 69 AO, Haftung der Vertreter
- StBVV Anlage 1 Tabelle A
- § 4 EStG, Gewinn und Betriebsausgaben
- § 2 StBerG, Befugnis zur Hilfeleistung in Steuersachen
- § 3 StBerG, Befugte Personen und Vereinigungen
Zuletzt geprüft am 26.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.